Musik zum Träumen

Wenn sich eine Gruppe von Musikern „Die vier EvangCellisten“ nennt, so macht schon allein der Name neugierig. Bei manchen Besuchern, die sich am Samstagabend auf den Weg ins Kloster Wechterswinkel gemacht haben, mag Neugierde vielleicht der Beweggrund gewesen sein. Die meisten waren aber wohl in der Hoffnung gekommen, einen zauberhaften und entspannten Abend beim Genuss von Kammermusik ausgezeichneter Künstler zu erleben. Und sie wurden nicht enttäuscht, sondern noch von dem Cello-Quartett derart in den Bann gezogen, dass der Applaus am Ende gar nicht mehr enden wollte.

Markus Jung, Hanno Riehmann, Mathias Beyer und Florian Bischof präsentierten sich als wahre Meister auf dem Violoncello. Was sie ihren Instrumenten an Rhythmen, Klangfarben und Spezialeffekten entlockten, war faszinierend. Nicht nur, dass sie berühmte Arien mit dem Cello interpretieren oder traditionelle Volkslieder erklingen lassen. Sie machen auch vor feuriger südländischer Musik nicht halt und spielen auf ihren Instrumenten flotte Ragtime- und Jazzklänge. Den vier jungen Männern macht ihr Auftritt im Veranstaltungssaal des Kreiskulturzentrums sichtlich Spaß: Markus Jung führt gut gelaunt durchs Programm und erklärt dabei auch, dass aufgrund der Vornamen der Gruppenmitglieder mit den Verfassern der Evangelien der Name „Die vier EvangCellisten“ gefunden wurde. Breit gefächert ist ihr Programm an diesem Abend. Es reicht von eingängigen deutschen Volksliedern (Im schönsten Wiesengrunde), über irische (Bonny Portmore) und englische Folklore (Scarborough Fair) bis hin zum chinesischen Volkslied „Jasmine Flower“.

Im Mittelpunkt aber stehen Arien aus berühmten Opern, die von den „EvangCellisten“ mit traumhaft sicherer Präzision präsentiert werden. Ob die „Habanera“ oder die „Blumenarie“ aus „Carmen“, das „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“ oder „Einleitung und Lied an den Abendstern“ aus dem „Tannhäuser“ – die Besucher sind hingerissen von der Darbietung, lassen sich entführen in die Zauberwelten dieser Melodien. Vor allem sind es die dunklen, warmen, behaglich einhüllenden Töne der Celli, die diesen Zauber entwickeln, der sich über den ganzen Saal und das Publikum zu legen scheint. Doch die vier Meister auf dem Violoncello verstehen es auch, Kontrastpunkte zu setzen. Der „Tango para cuatro“ oder der „Tango für 4 Violoncelli“ beweisen, dass ein Cello nicht nur für langsame Stücke geeignet ist. Bei beiden Tangos „geht die Post ab“, spielen sie schnelle, feurige und temperamentvolle Musik, die nach der Pause bei der „Rag Music“ ihre Fortsetzung findet. Nicht fehlen dürfen an diesem Abend Werke des „Lieblingsopernkomponisten“ des Quartetts, von Giacomo Puccini. Die „Arie der Lauretta“ aus der Oper „Gianni Schicchi“ und weitere Auszüge aus den Werken „Tosca“ sowie „Turandot“ lassen die Herzen von Pucchini-Anhängern höherschlagen.

Am Ende spricht Kreiskulturmanagerin Carolin Fritz-Reich von einem „traumhaften Konzertabend, der Musik zum Träumen, Schwelgen und Mitgehen“ gebracht habe. Mit einem jazzigen Stück von Benny Goodman, der „bella notte“ von Peggy Lee und Humperdincks „Abendsegen“ legen die „vier EvangCellisten“ zum Abschluss gleich drei Zugaben obendrauf, die ebenso wie das Konzert selbst mit nicht enden wollendem Applaus bedacht werden. - Klaus-Dieter Hahn für Kloster Wechterswinkel (Bastheim) bei Bad Neustadt an der Saale, Mainpost (Region Rhön-Grabfeld), 13.08.2017