Tango und Belcanto-Schluchzen

Konzert Für eine mit Zuhörern gut gefüllte Nikolauskirche sorgen die „Vier EvangCellisten“ mit ihrem Auftritt in Satteldorf. Sie bieten Streichersätze, Arienbearbeitungen, Tango und Jazz. Von Ralf Snurawa


Geistliche Musik findet sich nicht in ihrem Programm, wohl aber Besinnliches. Dazu gehört gleich zu Beginn Josef Werners „Elegie für vier Violoncelli“. Mit ausdrucksstarker Intensität gingen die Cellisten den langsamen Teil des Werks an, gefolgt von einem bewegteren und innig gesanglich vorgetragenen Teil. Als Kontrast mit Springbogen und federndem Pulsieren folgte Georges Bizets „Aragonaise“ aus der Oper „Carmen“.


Nah an menschlicher Stimme

Schön bewiesen die Musiker zu Gaetano Donizettis Arie „Una furtiva lagrima“ aus der Oper „L‘elisir d‘amore“ in einer instrumentalen Fassung, dass das Violoncello klanglich sehr nah an die menschliche Stimme kommt. Klagend und vom Ton her verzaubernd waren dabei Lukas Dihle und Markus Jung zu hören, während ihre Kollegen für die gezupfte Begleitung sorgten.

Als Gegensatz zum Lamento gab es danach neckische, von Hanno Riehmann und Nassib Ahmadieh gespielte Töne zum Duett „Was werden wir beginnen?“ aus Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“. Ahmadieh weitete den Tonumfang seines Instruments mit dem „Intermezzo sinfonico“ aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ hingebungsvoll gespielt in Violinhöhen.


Faible für Puccini-Opern

Die vier Musiker, deren Vornamen - bis auf den sonst mitspielenden Mathias Beyer, der durch Ahmadieh vertreten wurde - auf die vier Evangelisten verweisen und so zum Ensemblenamen führten, haben ein Faible für den Verismo und speziell für Puccini-Opern. So blieb hier ein kur zer Schwerpunkt nicht aus.

„Nessun dorma“ aus „Turandot“ wurde sanft eingestimmt, gefolgt von an Heldentenöre mit ihren leisen Schluchzern erinnernden Gesang im Spiel von Dihle. Schön verdichtet, aber dennoch gut durchzuhören war der Zusammenklang zu Beginn von „Vissi d‘arte“ aus „Tosca“. Riehmann setzte mit der Tenormelodie an, woraus sich ein intensives Zusammenspiel zwischen allen vier Cellisten entwickelte. Aus derselben Oper folgten gewitzt klingende Momente zu „Non la sospiri“.

Ein Zeitgenosse Puccinis, aber doch eine andere Welt: Das ließ sich danach mit dem Mahler-Lied „Die zwei blauen Augen“ festhalten. Schön wurde der Trauermarsch-Duktus betont. Noch zarter hätte man die Traumsequenz im Mittelteil spielen können.


Unterhaltsamerer zweiter Teil

Friedrich Metzlers zwei Sätze aus „Quartett für vier Violoncelli“ von 1954 erwiesen sich als ideale Überleitung zum eher unterhaltsamen zweiten Teil des Abends. „Scarborough Fair“ klang im Arrangement von Fredo Jung zunächst mit Flageolett-Tönen als Klangelement sehr filigran. Daraus wurden mehr und mehr ausgreifende Stimmschritte, die zu einem sehr bewegten Satz führten. Sanft und voller Wärme erklang darauf das chinesische Volkslied „Jasmine Flower“, schön pulsierend und mit etwas Leidenschaft Markus Jungs „Beduinische Karawane“. Noch leidenschaftlicher wurde es zu Joachim Johows „Tango para Cuatro“, ganz im an Astor Piazzolla erinnernden Tango-Nuevo-Stil in erregter Rhythmik und weit gespielten Melodietönen.

Nach einer nuanciert gespielten Samba von Udo Hartlmaier folgten mehr Tangos: Von Letzterem der „Tango für vier Celli“ im Tango-Argentino-Stil wie auch Eduard Pütz‘ „Tango passionato“, der zum Ende hin eher umschmeichelnde Töne bot. Schön swingend folgten Paul Desmonds „Take Five“ und Hartlmaiers „Rag-Music“ mit duftig-weich kontrastierendem Abschnitt.


Lang anhaltender Beifall

Für den heftigen und lang anhaltenden Beifall bedankte sich das Quartett mit Stücken von Benny Goodman und von Engelbert Humperdinck. Mit dem „Abendsegen“ aus dessen Oper „Hänsel und Gretel“ war dann auch der Bogen hin zum besinnlichen Ton des Werner-Stücks zum Auftakt geschlossen. - Ralf Snurawa für Satteldorf (Landkreis Hall, Nähe Crailsheim), Hohenloher Tagblatt, 08.10.2019