Meditative Ode an Abend und Nacht

Die Vier EvangCellisten geben in der Bartholomäikirche ein überzeugendes Kammerkonzert

 

Altenburg. Eigentlich kann die Veranstaltungsplanung in einer Stadt von der Größe Altenburgs kaum unglücklicher laufen, wenn an einem Abend gleich zwei hochkarätige Konzerte nahezu zeitgleich im Residenzschloss und in der St. Bartholmäikirche zu erleben sind und in der Orangerie im benachbarten Meuselwitz gar ein Drittes stattfindet. Das Positive war am Freitag, dass alle drei Konzerte - sei es das zum MDR-Musiksommer, zum Altenburger Musikfestival oder das Konzert der Evangelischen Kirchgemeinde - bestens besucht oder gar ausverkauft waren. Nun mag noch jemand unken, Altenburg habe kein gutes und aufgeschlossenes Konzertpublikum. Während sich in Meuselwitz hervorragende Schüler der Musikschule Altenburger Land an Akkordeon, Violine und Klavier ein Stelldichein gaben, brillierten in der St. Bartholomäikirche „Die Vier EvangCellisten“ aus Weimar. Dieses 2008 begründete Ensemble ist in Altenburg nicht so gänzlich unbekannt, da es bereits vor einiger Zeit hier gastierte und einer der Cellisten, Markus Jung, im Unterricht bei Helga Kaufmann seine ersten Schritte im Cellospiel an der Altenburger Musikschule zurücklegte.

Dass sich mehrere Cellisten zu einer Kammermusikvereinigung zusammen finden, macht durchaus Sinn, obwohl die originale Literatur für diese Besetzung eher rar ist. Das Violoncello besitzt die hervorragende Klangeigenschaft, sowohl die höchsten wie auch die tiefen Töne hervorzubringen und somit fast die gesamte musikalische Bandbreite der Emotionen abzudecken. Und sehr emotional begannen die vier Musiker Mathias Beyer, Lukas Dihle, Markus Jung und Hanno Riehmann ihr Konzert mit einem Gebet von Udo Hartlmaier. Im Prinzip trug der gesamte zweiteilige Konzertabend eine meditative Prägung, denn er stand unter dem Motto der jüngsten CD der vier EvangCellisten: „Notturno“. Es ging also um Stücke zum Abend oder zur Nacht. Diesem vielversprechenden Thema haben sich über die Jahrhunderte hinweg mehr oder weniger alle Komponisten in ihrem Schaffen gewidmet. Insofern mangelt es da absolut nicht an Repertoire, das nur entsprechend für vier Celli arrangiert werden muss. Und da gibt es durchaus ein lukratives Angebot, denn in vielen der dargebotenen Stücke spürte man die Handschrift von Fredo Jung, der stets entzückende Bearbeitungen auf den Markt bringt und somit die vier EvangCellisten bestens ausstattete.

Doch nicht nur die gelungene Programmauswahl des Konzertes, die vom schlichten Volkslied über die Oper bis zum Tango oder zur Ragtime Music reichte, machte den besonderen Reiz der Veranstaltung aus. Es war natürlich das perfekte Musizieren dieser vier Cellisten, die bestens aufeinander abgestimmt waren, die engagiert und vollblütig in die Saiten ihrer Instrumente griffen, die sich gegenseitig die Soli zuspielten und die natürlich geschickt die akustischen Bedingungen der Bartholmäikirche nutzten, ausloteten und in ihr Spiel einbezogen. Da konnten sie ohne Probleme ein hauchdünnes Piano anstimmen oder mit Feuer über die Saiten streichen. Das klangliche Ergebnis war stets faszinierend, sei es bei Antonin Dvoraks „Lied an den Mond“, Tannhäusers „Lied an den Abendstern“ oder bei Puccinis Bestseller „Nessun dorma“ aus Turandot. Trotzdem schläferten die vier Musiker ihr Publikum bei solch einer Vielzahl von getragener Musik nicht ein, denn nach der Konzertpause ging dann die Post so richtig ab mit einer Südamerikanischen Suite von Udo Hartlmaier oder dem Titel „Bella Notte“ aus dem Walt-Disney-Film „Susi und Strolch“. Bei einem derartig stimmungsvollen Konzert blieb selbstverständlich langer Beifall am Schluss nicht aus, den die vier Musiker mit zwei Zugaben belohnten, einem Tango von Hartlmaier und den bekannten Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, auf den man im Konzert vergeblich und schon fast etwas enttäuscht gewartet hatte. Aber nun war alles in bester Ordnung. - Felix Friedrich für Altenburg, Osterländer Volkszeitung (OVZ) (Teil der Leipziger Volkszeitung (LVZ)), 24.08.2016