Große Musik mit sanften Bogenstrichen

Die "Vier EvangCellisten" lieferten in der Wehrer Stadthalle ein großes Konzert ab / Auch Weltmusik stand auf dem Programm.

WEHR. Große Oper auf vier Celli: Bei ihrem Auftritt in der Wehrer Stadthalle führten "Die Vier EvangCellisten" vor, wie vortrefflich man berühmte Opernarien auf dem Cello "singen" kann. Doch die Herren, die sich vom gemeinsamen Studium in Weimar her kennen und seit 2008 ein Celloquartett bilden, spielten an diesem Abend in der Schlosskonzertreihe nicht nur raffinierte Opern-Arrangements, sondern schweiften auch in Weltmusikgefilde ab: Ein unterhaltsames Programm, das beim zahlreichen Publikum bestens ankam.

Mit sonorem, warmem Klang und zartstimmigen Cellogesang in der Blumenarie aus Bizets "Carmen" nahmen die "EvangCellisten" ebenso für sich ein wie mit den sinnlichen Klangfarben und dem tänzerischen Rhythmus in der "Seguidilla". Die singenden Celli entfalteten auch in der Tenorarie "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" aus Mozarts "Zauberflöte" ihr weiches Timbre und berückenden Wohlklang. Diese Bildnis-Arie klang unter den sanften Bogenstrichen von Markus Jung, Hanno Riehmann, Lukas Dihle und Mathias Beyer edel, lyrisch und sanglich, denn die Cellostimmen trafen schön den erhabenen Gefühlston des Prinzen Tamino.

Ein Opernblock galt dem erklärten "Lieblingsopernkomponisten" der Vier: Puccini. Die berührende Arie der Mimi "Mi chiamano Mimi" aus "La Bohème" klang in der Cellofassung so herzergreifend schön, dass jedem Opern- und Cellofreund das Herz aufgehen musste. Auch in die Arie der Lauretta "O mio babbino caro" legen sich die Cellisten mit viel Melos und Gefühl. Der betörende Melodiker Puccini, das wird in diesen Nummern hörbar, eignet sich besonders für eine Celloversion. Glanzpunkt des Puccini-Teils war die berühmte Arie des Kalaf "Nessun dorma" aus "Turandot", in der sich die herrliche Melodik in großer Streicheremphase entfaltet.

Aber die Vier können nicht nur Oper. Auch barocken Instrumentalwerken wie Vivaldis Concerto D-Dur gewinnt das Quartett viel Verve in den schwungvollen Ecksätzen und eine kantable Linie im ruhigen Mittelsatz ab. Wie homogen die Vier zusammenspielen, gleichsam wie auf einem Bogen, hört man in Samuel Barbers berühmtem Adagio for Strings. Sehr zart, sehr leise hebt dieses tieftraurige, elegische Stück an, das die Cellisten höchst feinfühlig, trauererfüllt, wehmutsvoll, mit bewegendem sonorem, romantischem Streicherklang spielen.

Gegen Ende des Programms schwenken die Herren in Richtung Weltmusik um. Ein irisches Lied über einen alten Wald ist auch eine traurige Klage über die Abholzung der Wälder, in der viel Melancholie mitschwingt. Das bekannte englische Traditional "Scarborough Fair" zelebriert das Quartett in schön transparenten Cellostimmen. Aber auch die drei südamerikanischen Tänze Tango, Samba und Paso Doble in den Stücken des Gegenwartskomponisten Udo Hartlmaier liegen den Cellisten ausgesprochen gut.

In Hartlmaiers "Rag Music", die ein bisschen an die Ragtimes eines Joplin erinnert, und in einem Titel von Benny Goodman legt das Celloensemble eine beschwingte Leichtigkeit und swingenden Cellosound vor. Das applausfreudige Publikum bekommt noch Zugaben: erst das zündende "Take Five", dann den innigen "Abendsegen" aus Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" - zum Dahinschmelzen schön. - Roswitha Frey, für Wehr, Badische Zeitung, 23.04.2013

Den Link zum Artikel finden Sie hier.